Von Jürgen Kolle,
Braunschweig
Am letzten
Juni-Wochenende war es mal wieder soweit: Freunde und Mitglieder der IG
Historische VW starteten zur diesjährigen mehrtägigen
Ausfahrt in das Sauerland. Unser "IG-Motor" Jürgen hatte mal
wieder ganze Vorarbeit geleistet und in den zurückliegenden Wochen
trotz mancher Hindernisse eine Ausfahrt zusammengestellt, die allen
Ansprüchen gerecht wurde. Auch hatte der Wettergott - obwohl es am
Siebenschläfertag geregnet und gestürmt hatte - ein Einsehen
und bescherte den Teilnehmern eine Ausfahrt bei angenehmen
Temperaturen, guter Fernsicht und fast immer trockenen Straßen.
Da das
Teilnehmerfeld etwas kleiner war, konnten lohnende Abstecher und
außerplanmäßige Halts als zusätzliche
Ausfahrthöhepunkte eingebaut werden. Überhaupt stand die
diesjährige Ausfahrt unter einem sehr guten Stern: Man verstand
sich sofort, war immer hilfsbereit, kommunikativ und dem gemeinsamen
Ziel verpflichtet, eine erlebnisreiche, stressfreie und harmonische
Oldtimerausfahrt zu erleben. Da sich ausschließlich
Käferfahrzeuge aus unterschiedlichen Baujahren eingefunden hatten,
gab es zudem keine "Straßenrennen", was alle Teilnehmer als
zusätzlichen Pluspunkt werteten.

Aber trotzdem
wurden Fahrer und Beifahrer gefordert: Es wurde in zeitlichen
Abständen gestartet und das Lesen des Roadbooks war für viele
eine neue Herausforderung, die aber von allen hervorragend gemeistert
wurde. Zwischenziele dienten dabei sowohl des näheren
Kennenlernens der Sehenswürdigkeiten als auch dem Sammeln aller
Teilnehmer und dem Vorbereiten auf das nächste Teilziel. Kleine
Quizfolgen, die kurzfristig gestellt wurden, gaben den Teams die
Möglichkeit, sich mit dem Roadbook noch intensiver auseinander zu
setzen. Die abzufahrenden Tagestouren, die zwischen 320 und 176 km
lagen, wurden von allen Fahrzeugen ohne Pannen oder Ausfällen
abgefahren. Kein Wunder, dass man sich abends zu gemütlicher Runde
wieder einfand.
Das Maritim-Hotel in Bad Sassendorf bot allen eine vorzügliche Küche, sehr gute Betreuung und sehr ruhige und komfortable Zimmer. Unsere Fahrzeuge fanden ihren Parkplatz hinter den Hotelschranken auf dem weitläufigen Gelände direkt am Kurpark.
Doch nun zur
Fahrt: Treffpunkt war traditionell der Lilienthalplatz vor dem
Empfangsgebäude des Flughafens BS-Waggum. Angemeldet hatten sich
wiederum auch Teilnehmer aus Bielefeld, Frankfurt und Stuttgart, die
natürlich mit ihren VW-Käfern auf eigener Achse angereist
waren. Nach kurzer Begrüßung und herzlichem Wiedersehen
wurde es spannend: Sigrid und Jürgen überreichten die
gefüllten Taschen mitsamt des mit Spannung erwarteten Roadbooks,
das wie gewohnt mal wieder sehr umfänglich ausgefallen war.
Nachdem die Startnummern befestigt waren, die Telefonnummern verglichen
und ausgetauscht und letzte Fotos vom Starterfeld geschossen worden
waren, wurde gestartet.
Auf Land- und
Kreisstraßen 2. und 3. Ordnung ging es durch das Braunschweiger
Land in Richtung Süden. Elm, Asse, Ösel und die Harzberge
kamen naher und verschwanden wieder hinter uns. Die einsamen
Kammstraßen im Harzvorland boten oft einmalige Fernsichten und
verleiteten zu kurzen Fotohalten.

Erster Höhepunkt war die Durchfahrt durch das mittelalterliche, verträumte Hornburg. Sammelpunkt war ein Parkplatz bei Lutter am Barenberge am ehemaligen Schlachtfeld im 30jährigen Krieg (Reitergeneral Fuchs, Graf Tilly 1626).
Gefrühstückt
wurde in einem rustikalen Restaurant kurz vor Kreiensen. Nach kurzem
Halt am historischen Bahnhofsgebäude in Kreiensen ging es weiter
auf schmalen Straßen nach Einbeck. Über Dassel und Neuhaus
im Solling erreichten wir gegen Mittag die Weserberge und die Weser bei
Fürstenberg. In den Weserberg-Terrassen wurde pausiert und zu
Mittag gegessen. Einige Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und
besuchten die Ausstellungsräume der Porzellanmanufaktur.

In Beverungen
überquerten wir die Weser in Richtung Lichtenau. In Borgholz
verleitete eine stillgelegte kleine Bahnstation mit einem abgestellten
roten Schienenbus, einem Flügelsignal und einem original
erhaltenem Stellwerk zu einem Fotohalt.
Über die
Ausläufer des Teutoburger Waldes erreichten unsere Fahrzeuge die
"Straße der Weserrenaissance". Die Klosterruine von
Böddecken war dann das letzte Teiletappenziel. Im
weitläufigen Innenhof des Klostergutes durften unsere historischen
Käfer ausnahmsweise parken. Selbst gebratene Buletten
stärkten uns bevor wir zum Tagesziel Bad Sassendorf aufbrechen
mussten. In Salzkotten erreichten wir nach kurvenreicher Fahrt die
Bundesstraße 1. Nach einem nun auch fälligen Tankstopp
erreichten alle Fahrzeuge wohlbehalten das Maritim-Hotel "Schnitterhof'
in Bad Sassendorf. Ein schöner Fahrtag mit vielen
unterschiedlichen Eindrücken und Sehenswürdigkeiten - und
nicht zu unterschätzenden aufmerksamen Blicken und freudiges
Winken und Blinken entgegenkommender Fahrzeuge - ging nun zu Ende.
Am
nächsten Morgen stand die große Sauerlandtour auf dem
Programm. Für die Ausarbeitung der Streckenführung hatte der
Organisator etwas besonderes ausgedacht. Gemeinsam mit einem
ortsansässigren Oldtimerfreund wurde diese Ausfahrt nach den
Vorgaben' der FIFA entworfen: Streckenführung weitestgehend ohne
Ampelanlagen, verkehrsarme Straßen und Wege, viele Steigungs- und
Gefällestrecken, Sehenswürdigkeiten und sorgfältige
Ausarbeitung des Roadbooks.
Anstelle der Strecken-Wertungspunkte gab es Zwischenstopps. Gestartet wurde im Minutenabstand. Auf der 176 km langen Strecke gab es viel Sehenswertes: Der Möhne-Stausee mit seinen drei großen Seebrücken, der verschwiegene Arnsberger Wald, die Hotelanlage "Torhaus", kleine gepflegte Ortschaften, die vom Fremdenverkehr leben, weitläufige Täler und bewaldete Berge. Am Hennesee bei Meschede ("Hennesee-Residenz") wurde eine Mittagpause eingelegt. Herr Jühe vom Oldtimerclub Warstein berichtete über Land und Leute und über Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, die in dieser Region Deutschlands zu Hause sind.
Von hier
führte uns das Roadbook über einsamste Wege zu den
höchsten Erhebungen des Sauerlandes. In den Höhen über
600 m sahen wir die verheerenden Sturmschäden vom Februar diesen
Jahres. Höhepunkt des Nachmittags waren der Besuch des
"Raben-Cafes" in Kallenhardt. Hier waren die Teilnehmer eingeladen, die
"Rabengalerie" des Künstlers Otmar Alt und die private
Kornbrennerei und Bierbrauerei zu besuchen und zu verkosten.

Auf der Talfahrt von Kallenhardt wurden wir im Schlossgarten des Schlosses Körtlinhausen Zeuge einer großen Hochzeitsfeier im unwiderstehlichen Flair der altehrwürdigen Schlossmauern. Dieser Zwischenstopp war zweifelsfrei einer der Höhepunkte dieser Ausfahrt. Auf Privatwegen und Landstraßen ging es von da aus zügig zurück zu unserem Hotel in Bad Sassendorf, wo auf uns bereits der Küchenchef mit einem reichhaltigen Buffet erwartete.
Am letzten
Tag unserer Ausfahrt stand der Besuch der Stadt Warstein als erstes
Ziel auf dem Programm. Das Besucherzentrum der Warsteiner Brauerei
erwartete unsere Teilnehmer. Der Chef der Privatbrauerei Warstein,
selbst ein passionierter Oldtimer-Liebhaber und Ballonfahrer, hat das
Besucherzentrum erst vor einem Jahr eröffnet. Von den
finneneigenen Hotelterrassen blickt man auf die weitläufigen
Fabrikationsanlagen und das neu erstandene Bahn-Logistik-Zentrum. Diese
Anlage, eine „Komposition“ von erhaltener Natur, modernster Technik
aber auch Nostalgie, hat uns alle sehr beeindruckt. Nach einer kurzen
Betriebserkundung und einem zünftigen Glas Warsteiner-Bier traten
wir am Mittag unseren Heimweg an. Auf der Marienburg bei Hoheneggelsen
legten einige nochmals eine kurze Pause ein. Ein heftiges Gewitter
begleitete uns dann allerdings bis nach Braunschweig.
Hoffen wir, dass wir im nächsten Jahr die 18. Siebenschläferausfahrt wiederum in eine für uns interessante Region führt! Organisator, Helfern und allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein herzliches Dankeschön für die schönen Ausfahrttage.