Aufgezeichnet von Wolfgang Pflicht, Meine
1.
Tag: Anfahrt nach Hildesheim zum DB Autozug
2.
Tag: München-Ost – Chiemgau – Salzkammergut – Gmunden am Traunsee
3. Tag: Ausfahrt Salzkammergut – Dachstein – Steiermark – Wolfgangsee -
Gmunden
4. Tag: Firmenbesichtigung und Weiterfahrt nach München-Ost zum DB
Autozug
5. Tag: Rückfahrt von Hildesheim zum Ausgangsort
Braunschweig. Auch in diesem Jahr unternahm die Interessengemeinschaft Historische VWs Braunschweig eine nostalgische Ausfahrt mit rollenden Raritäten. Diesmal waren 20 automobile Kostbarkeiten aus drei Jahrzehnten (50er, 60er, 70er-Jahre) mit 38 Teilnehmern dabei. Neben Oldtimern der Marken VW, Audi und Skoda waren Alfa Romeo, Ford, Mercedes-Benz und Porsche vertreten – pure Nostalgie auf Rädern, ohne ABS, ESP, Bremskraftverstärker oder Servolenkung. So ging es auf Entdeckungsreise. Ein Novum in der Geschichte der IG Historische VWs war - wegen der großen Entfernung nach Österreich - die reizvolle Kombination von Autozug- und Straßenfahrt, von Jürgen Kolle perfekt geplant und organisiert. Diese Ausfahrt war mit fünf Tagen die bisher längste, davon je zwei Nächte im DB Liegewagen bzw. im Hotel. Die gesamte Autofahrstrecke betrug etwa 1000 km und wurde im Wesentlichen in drei Tagen bewältigt.

1.
Tag: Am Abend
trafen sich die Teilnehmer am
Braunschweiger Flughafen zur 18. traditionellen
Siebenschläferausfahrt, diesmal
durch Bayern und Oberösterreich. Nach der allgemeinen
Begrüßung und ersten
Ansagen wurden die Startnummern befestigt, das umfangreiche Roadbook
verteilt
und die Ausfahrt gestartet. Liebevoll
ausgewählte Reisepräsente und ein Autobuch sorgten für
hinreichende
Kompensation des entrichteten Startgeldes.Die
erste Pause legten wir noch vor Hildesheim ein, wo ein kräftiges
Abendbrot
angeboten wurde.

Erstes Tagesziel war die Autoverladung in Hildesheim. Während wir die Wartezeit überbrückten, zündete ein prächtiges Feuerwerk über uns – ob auch das von Jürgen bestellt war?
Der
Zug nach München hatte leider über eine Stunde
Verspätung, so dass wir erst
nach Mitternacht die Liegewagen belegen konnten. Die Nacht verlief ohne
Zwischenfälle, aber ein Liegewagen ist kein Schlafwagen. Beim
Einnicken ging
mir der Begriff “Rollendes Material” durch den Kopf..

2. Tag: Nach kurzer Morgentoilette im Zug gab es Kaffee oder Tee und Frühstücksbrötchen. Die einstündige Zugverspätung wurde zu unserer Freude durch die Deutsche Bahn bis München-Ost wieder aufgeholt. Nach der Ankunft und längerer Wartezeit konnten die Fahrzeuge wieder vom Autozug abgeholt werden. Hier warteten bereits weitere Fahrtteilnehmer aus Weinstadt bei Stuttgart und Wolfratshausen auf uns.
Gemeinsam
ging es dann zum ersten Autostopp dieses Tages nach Wasserburg am Inn,
wo ein
reichhaltiges Frühstücksbüffet bestellt war und bei
schönstem Sonnenwetter auf
dem Marienplatz der Altstadt verzehrt wurde. Die Weiterfahrt erfolgte
nach dem sorgfältig erstelltem Roadbook über Bad
Endorf – Nordufer Chiemsee – Seebruck – Traunstein – Ruhpolding –
Ramsau – Berchtesgaden bis zum Grenzübergang
nach
Österreich.

Am “Grenz-Gasthaus-Neuhäusl” erwartete uns bereits Max Sommerer von der Firma Ulbrichts Witwe GmbH, der die Ausfahrt - insbesondere im österreichischen Teil – als Co-Organisator mit geplant hat. Nach kurzer Einkehr fuhren wir weiter über Hallein – Adnet – Hof b.S. – Fuschlsee – St. Gilgen – Mondsee – Attersee bis zum Tagesziel Gmunden am Traunsee.
Wir
erreichten nach abwechslungsreicher Fahrt auf sorgfältig
ausgesuchten
Land-, Neben- und Bergstraßen unsere Unterkunft für die
nächsten zwei Nächte,
das Schlosshotel Freisitz Roith in A-4810 Gmunden: www.freisitzroith.at

Nach dem Einchecken im Schlosshotel wurden die Zimmer belegt und die notwendige Körperpflege erledigt. Der erste Abendhöhepunkt wartete bereits auf uns: Ein Galadiner im stilvollen Ambiente des Schlosshotels mit verschiedenen Weinen und Evergreens sowie anschließender Champagner-Mondscheinfahrt mit der “MS Hochlecken” auf dem Traunsee – alles wunderbar. Nachts sorgte ein heftiges Gewitter für die Reinigung der Luft, wobei Blitze und heftige Donnerschläge die meisten aus dem Schlaf rissen.
3.
Tag: Nachdem wir uns
am Frühstücksbüffet gestärkt hatten, traten wir
eine Rundfahrt mit Start und
Ziel Schlosshotel an. Einen ersten Fotostopp legten wir in Traunkirchen
am
Traunsee ein.
Als
nächstes Teilziel erreichten wir Bad Ischl, um das historische
Habsburgerschloss und den Kaiserpark, ehemaliger Sommersitz von Kaiser
Franz
Joseph, zu besichtigen. Von der freundlichen Schlossführerin
erfuhren wir viel
Interessantes aus der damaligen Zeit. Die vielen Hundert Geweihe
belegten
eindeutig, dass auch früher schon “Böcke geschossen” wurden.

Weiter ging es über Bad Goisern zum Hallstätter See mit kurzem Halt. Das war gut für die Oldtimer, denn der anschließende Koppenpass hatte 23 % Steigung. Da heißt es möglichst Schwung holen und bloß nicht stehen bleiben. Wer hoch fährt, muss auch meistens wieder runter. So gab es bis Bad Aussee eine steile Gefällestrecke. Fast unbemerkt hatten wir die Steiermark erreicht.
Direkt
am Grundlsee legten wir bei schönstem Wetter eine wohlverdiente
Mittagspause
ein.Dann
ging es zurück nach Bad Ischl und weiter zum Wolfgangsee nach St.
Wolfgang. Wem wäre da nicht das Singspiel von Ralf Benatzky “Im
Weißen Rössl”
eingefallen?
Über St.Gilgen und Steinbach am Attersee erreichten wir auf schönen Nebenstraßen wieder unser Hotel in Gmunden.Nach kurzer Körperdusche - über 35 Grad Celsius hatten Mensch und Maschine auf hohe Betriebstemperatur gebracht - ging es zum zweiten Abendhöhepunkt: Die Firma Ulbrichts Witwe GmbH hatte zu einem romantischen Barbecue am Südufer des Traunsees eingeladen, welches wir mit der schon genannten “MS Hochlecken” erreichten. Nach den Erlebnissen dieses Tages schmeckten die köstlichen Grillspezialitäten und die kühlen Getränke an der frischen Luft mit Berg- und Seeblick besonders gut. Die Schiffsrückfahrt verlief bei bester Stimmung und guten Gesprächen.
4.
Tag: Am
folgenden Tag stand nach dem
Frühstücksbüffet die Fahrt zur Besichtigung der
Wallfahrtskirche Paura und
anschließend der Firma Ulbrichts Witwe GmbH an. Das
Vorausfahrzeug führte den
Autokorso vermutlich etwas zu forsch an, so dass nur ein Torso die
sehenswerte
Wallfahrtskirche erreichte. Der Rest fuhr direkt nach Schwanenstadt zur
Firmenbesichtigung. Hier
erwartete uns schon Bernhard Papst mit erfrischenden
Getränken sowie
“Musik und Witz mit Fritz” – eine tolle Überraschung!
Information zu Ulbrichts Witwe GmbH, A-4690 Schwanenstadt, Kaufing 34, Austria: www.ulbrichts.com
Das mittelständische Unternehmen ist Spezialist für folgendes Produktspektrum:Der renommierte Automobilzulieferer Ulbrichts Witwe GmbH produziert zum Beispiel die Marken-Embleme für VW, Porsche und Mercedes.
Als
Maschinenbau-Ing. und gelernter Werkzeugmacher war ich natürlich
auf die
Werksbesichtigung gespannt. Wir erfuhren, wie die VW-Embleme entstehen,
am
Beispiel der gesamten Prozesskette vom Design über
Bauteilzeichnung zur eigenen
Werkzeugkonstruktion, mit anschließendem Werkzeugbau, bis zur
automatisierten
Großserienproduktion. Das hat uns alle doch sehr beeindruckt.

Nach einem leckeren Imbiss - wieder mit Musikbegleitung von Fritz - folgte die Danksagung und herzliche Verabschiedung. Die Weiterfahrt führte über Nebenstraßen durch Vöcklabruck - Frankenmarkt – Straßwalchen – Mattsee – Seeham – Laufen – Petting – Taching – Palling –Trostberg – Altenmarkt bis Wasserburg. Groß war meine Freude, als ich bei der spontanen Rast in Mattsee kurz zum See lief und dort die Segelschule fand, wo ich meine Frau und unsere Tochter 1982 mit einem einwöchigen Segelkurs überraschte.
Der
Stopp in Wasserburg diente zum Sammeln der Fahrzeuge und zum
Pausieren.
Nach zügigem Endspurt erreichten wir rechtzeitig unser Tagesziel
München-Ost
zur Verladung auf den DB Autozug: www.dbautozug.de
5. Tag: Auch die schönste Ausfahrt geht einmal zu Ende. Da der Zug mit einer Stunde Verspätung ankam, gab es gegen 5:30 Uhr den Frühstückssnack im Zug. Nach der Ankunft in Hildesheim und anschließendem Abladen der Autos hieß es allgemein Abschied nehmen zur individuellen Rückfahrt zum Wohnort. Einige Teilnehmer fuhren noch zum gemeinsamen Ausklang ins Hotel Nord BS. Nach etwa 1000 Kilometern auf eigener Achse erreichten die Braunschweiger Fahrerteams ihren Ausgangsort.
Unwägbarkeiten: Das Wetter meinte es alle Tage gut mit uns. Bis auf ein nächtliches Gewitter und einen Regenschauer hatten wir pralle Sonne und trockene Straßen. Auch Straßenumleitungen und Verfahrer sind mit heiterer Gelassenheit hinzunehmen.
Zu den unliebsamen Ereignissen gehörten hitzebedingte Defekte an fünf Fahrzeugen. Bei Bedarf mit Pannenhilfe von Oliver F. Bulant, ClassicCar GmbH, konnten die Fahrzeuge weitgehend direkt wieder fahrbereit gemacht werden. Nach eigener Darstellung ist die ClassicCar GmbH auf Oldtimer-Restaurierung und Service spezialisiert. Der Service war übrigens kostenlos – nochmals ein herzliches Dankeschön: www.classiccar.co.at
Bei
allen Unwägbarkeiten einer Fahrt mit klassischen Automobilen
hatten die
Fahrteams Vertrauen in die ursprüngliche Technik, viel Spaß
und Freude
miteinander sowie ein großartiges Erlebnis.

Fazit: Nach meiner Einschätzung war es eine rundum gelungene Veranstaltung, reizvoll und abwechslungsreich. Meiner Frau und mir hat alles ausgezeichnet gefallen, geographisch und kulinarisch. Es kommt eben auf die richtigen Komponenten an, beispielsweise Zeit- und Routenplanung, harmonierende Teilnehmerteams, Hotel- und Gaststättenauswahl, gutes Essen und Trinken sowie ein interessantes Rahmenprogramm bei moderaten Kosten. Das Salzkammergut bietet einmalige Landschaften mit überwältigenden Naturschönheiten, den großen und kleinen Seen, den faszinierenden Bergen und den Serpentinenstraßen. Es ist zu jeder Jahreszeit ein Kleinod zum Erleben und Genießen.
Zurück bleiben schöne Erinnerungen an das Erlebte und die Vorfreude auf die nächste Siebenschläferausfahrt im Jahr 2009. Herzlichen Dank an alle Personen, Dienstleister und Firmen, die in irgendeiner Weise zum Gelingen dieser Oldtimertour beigetragen haben.
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