9. Ausfahrt 99 der
Historischen Volkswagen zu neu(e)n Rekorden
Dr. Ulrich von Pidoll,
Braunschweig
Der Juni 1999 brachte für die Historischen
Volkswagen Braunschweig einen Höhepunkt nach dem anderen. Vom 18.
bis 20. Juni fand in Bad Camberg ein internationales VW-Treffen
der Spitzenklasse statt. Und bereits fünf Tage nach dieser Reise
waren die alten Volkswagen erneut auf Achse. Es sollte eine Fahrt
der Superlative werden: (1) Noch nie mußten wir so früh
aufstehen (Treffpunkt war am 25.6.99 um 6:15 Uhr am
Braunschweiger Flughafen), (2) noch nie waren so viele Fahrzeuge
beteiligt, (3) wir fuhren weiter als jemals zuvor bei einer
Siebenschläferausfahrt und (4) Lucas Blinker waren noch dunkler
als bei der letzten Ausfahrt.
Von Anfang an stand unsere Fahrt wettermäßig
unter (5) bestem Stern, und so kamen insbesondere die Besitzer
von offenen Fahrzeugen voll auf ihre Kosten. Zwischenmenschlich
stand ebenfalls alles zum Besten, und auch unsere Autos liefen
pannenfrei (wenn man einmal davon absieht, daß einer unserer
Fahrer beim Rückwärtsfahren gegen einen Erdwall ein Endrohr in
den Auspufftopf hineindrückte und es etwas Mühe machte, es
wieder herauszuziehen). Mit anderen Worten: Unsere Herzen blieben
heiß, und die Motoren und Bremsen unserer Autos kalt. Und das
ist so ziemlich der Idealzustand, der auf so einer Reise
eintreten kann.
Jürgen Kolle hatte (6) die landschaftlich schönste
der bisherigen Ausfahrten zusammengestellt. Über die A395 und
Goslar ging es dann nach Göttingen, und dann weiter die B27 bis
zur Burg Plesse. Dort erwartete uns in der Burgschenke ein
rustikales Frühstück.
Weiter fuhren wir auf der B 27 bis Eschwege und
dann zu einer Besichtigung des Wartburg Museums in Eisenach.
Anschließend wurde ein Mittagessen nach Thüringer Art in einem
gutbürgerlichen Gasthof eingenommen, wobei man überrascht war,
(7) welch qualitativ hochwertiges Essen man in der richtigen Ecke
Deutschlands schon für weniger als 20 DM bekommen kann. Es
folgten wunderschöne nostalgische Ortsdurchfahrten durch die Rhön,
wobei das Wort "Durchfahrten" durchaus wörtlich zu
nehmen war: Mehrere mittelalterliche Stadttore wurden durchfahren.
Bezogen auf deren Alter empfanden wir uns und unsere Fahrzeuge
als blutjung.
Über Tann und Bischofsheim ging es dann weiter
zu Schloß Werneck, und schließlich erreichten wir abends Würzburg,
wo uns ein erstklassiges Abendessen serviert wurde. Hier zeigte
sich wieder einmal, daß das alte deutsche Sprichwort "Gut
gegessen und getrunken ist die Welt erträglich" ein
Wahrwort ist.
Am nächsten Tag stand erst einmal "Ausschlafen"
auf der Tagesordnung, und dann besichtigten wir die Festung
Marienberg. Dabei erwies sich Jürgen wie so oft als exzellenter
Reiseleiter. Anschließend war eine Besichtigung von Würzburgs
Innenstadt angesagt. Wir erlebten ein beeindruckendes barockes
Stadtbild, wobei offenblieb, ob der Markt, der Dom, die Brücken,
oder die Residenz das Sehenswerteste an Würzburg ist.
Nachmittags stand eine Ausflugsfahrt entlang der Mainschleife auf dem Programm. In Ochsenfurt wurde die Altstadt ((8) 15. und 16. Jahrhundert) besichtigt und im Cafe "Käferle" neue Kräfte gesammelt. Danach ging es weiter nach Volkach, wo die Wallfahrtskirche "Maria im Weingarten" mit der Rosenkranzmadonna von Tilman Riemenschneider (um 1500) für Gesprächsstoff sorgte. Über eine Mainfähre erreichten wir am Abend wieder Würzburg, wo in einem netten Biergarten der Abend ausklang.
Leider, leider begann dann aber am nächsten
Tag um 9:30 Uhr die Rückfahrt. Im Rokoko-Garten von Veitshöchheim
kam beim Anblick des großen Teichs bei vielen der Gedanke auf,
daß der Besitz eines solchen Teichs in Kombination mit einem
alten Schwimmwagen nicht schlecht wäre. Nur gut, daß Jürgen
auf seinem Grundstück keinen Platz mehr für so etwas hat, sonst
würde er nach diesem Anblick bestimmt zu Hause sofort so einen
Teich graben lassen und einen dazu passenden VW erwerben.
Über das mittelalterliche Karlstadt ging es
weiter zu Schloß Saaleck. Dieses erwies sich als wunderschön
erhaltene Burg auf einer Bergspitze mit einem sehr hohen Turm,
der einigen Teilnehmern eine großartige Aussicht bot. Die
anderen Teilnehmern bevorzugten dagegen die Aussicht auf eine
Weinprobe. Man traf sich wieder im Jägerzimmer, wo uns
kulinarische Köstlichkeiten vom Wild geboten wurden. Bei diesem
Essen sprach Jürgen wie bereits mehrfach auf dieser Fahrt von
seinem neu erworbenen Volkswagen Typ 147. Dabei pflegte er stets
zu betonen, wie schlecht doch dessen Chassis sei. Als Bärbel
daran anschließend bemerkte, daß ihr Geflügel trotz des
Bratvorgangs noch relativ lebendig aussähe, folgte natürlich
prompt die Bemerkung, daß wenn Jürgen seinen Typ 147 zum
Restaurieren gibt, sei dies so ähnlich, wie wenn Bärbel mit
ihrem Brathuhn zum Tierarzt geht.
Falls sich der geneigte Leser bei diesem
Wortwechsel nichts unter einem VW Typ 147 vorstellen kann,
braucht er aber nicht zu verzagen, sondern nur Michael zu fragen:
"Der Postlieferwagen Typ 147 ist der gelungene Versuch von
VW, die Nachteile des Typ 1 mit den Nachteilen von Typ 2 und Typ
3 zu kombinieren". Alles klar?
Zum Abschluß ging es noch einmal hoch hinaus:
(9) unsere Fahrzeuge parkten in 920 m Höhe auf der Wasserkuppe.
Zweifellos war diese Ausfahrt noch schöner als die von 1998. Und so endete die Fahrt mit massiven Drohungen an Jürgen: Alle drohten ihm, bei der nächsten Ausfahrt 2000 wieder mitzufahren. Wollen sie nicht auch einmal mitmachen?